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Orientierungslauf in Senftenberg - da wurden bei mir Erinnerungen wach, die bis in das Jahr 1966 zurückreichen: Sand, hügeliges Gelände und unglaublich schneller Kiefernwald…

Also habe ich mir uralte Farbkarten herausgesucht und bei "google maps" dazu dann die passenden Luftbilder. Aber dann die schreckliche Erkenntnis: auf einer Karte existierte nicht einmal mehr der Ort, in dem das WKZ war und auf zwei weiteren Karten war nur noch ein Drittel bzw. ein Viertel der Original-Landschaft erkennbar - rundum Wasser oder zugeschobene Tagebaulöcher...

Der Veranstalter kündigte als Wettkampfgelände rekultiviertes Kippengelände bei Leippe/Johannistal an. 1972 war der Tagebau bei Senftenberg zum Senftenberger See geworden - übrigens ein glasklares wunderbares Sportgewässer von 13 km². Das angrenzende Gelände war zwischen 1967 und 1972 zum Teil stark planiert worden, aber viele tiefe Restlöcher mit steilen Hangwänden und mächtige Erdwälle blieben in der Landschaft und sorgten nun für "Abwechselung" beim Problem der Routenwahl. Der Wald war nach reichlich 40 Jahren wieder hoch, Schneisen gab es kaum (lediglich in jüngeren Neupflanzungen) und die in der Karte eingetragenen Wege habe ich im Gelände überlaufen, ohne sie zu erkennen.

Postenstandorte gab es in den vielen ausgewaschenen Rinnen an den Steilhängen, in mannstiefen Gräben und in den unendlich vielen Gruben eichlich! Die vielen Steilhänge von 10m bis 20m Höhe, die auf meiner Route besonders zum ersten Posten lagen, waren nur "auf allen Vieren" zu erklimmen, und das "Abwärts" mehrmals nur auf dem Hinterteil... Kurz vor meinem ersten Posten hörte ich aus der Tiefe einer Senke eine Sportfreundin aus Helsa (?) rufen "Wie komme ich hier raus??". Ich konnte ihr nicht helfen, sonst hätte ich wahrscheinlich am steilen Hang ebenfalls festgesessen... Zu den "geologischen Hindernissen" kam dann obendrein der Blaubeer-Unterbewuchs und das Bruchholz, so dass der Beinhub viel Kraft kostete.

Meine OL-Karte war zum Glück 1:7.500, so dass die vielen Details noch gut erkennbar waren; bedauert habe ich die Wettkämpfer, die auf 1:15.000 (Nadine Enoch) oder 1:10.000 (Gerhard Bader) laufen mussten, wo Details in der Dichte der Isohypsen untergingen! Ab Posten 4 ließen dann schon Kondition und Konzentration erheblich nach, und das Laufen am Steilhang zum Posten 5 mit der Querung unendlich vieler Rinnen auf einem Wildpfad (?) kostete noch einmal Kraft. Unterhalb des Steilhanges war zwar ein gelber Streifen in der Karte zu sehen, aber darauf wucherte inzwischen Buschwerk und er bot sich nicht zum Laufen an. Kurz vor P7 dann noch einmal ein Konzentrationsfehler, weil ich im Dickicht eine kleine Freifläche leuchten sah (die nicht in der Karte war) und meinen Posten dort vermutete... Also zurück zum letzten markanten Punkt und P7 erneut anlaufen - und dann die letzten Etappen der Schinderei bei schwülwarmer Hitze Richtung Ziel.

Ein tolles Erlebnis mit guten Ideen des Bahnlegers, der mir nicht einen (!) Wege-Lauf anbot! Insgesamt hatten die Sportfreunde vom Post-SV Dresden eine perfekte Veranstaltung mit der Deutschen Meisterschaft im Sprint-OL und mit dem Bundesranglistenlauf in Leippe auf die Beine gestellt. Dafür den sonst sehr erfolgreichen Aktiven ein großes Dankeschön!!

Ergebnisse BRL Mittel-OL am 03.06.2018
(USC Magdeburg)
Name Klasse Platz
Peter Wichmann H 75- (6) Silber

Ergebnisse BRL-Lang-OLErgebnisse BRL-Langl-OL (SI)Fotos von JensLeibiger

180603 Karte Senftenberg k